Spur der Erinnerung

Spur der Erinnerung

Am 14. Oktober 1939 konfiszierte das Innenministerium von Württemberg das Behindertenheim Schloß Grafeneck auf der Schwäbischen Alb für „Zwecke des Reiches“. Das idyllisch gelegene  Gebäude  wurde umgebaut zum grauenvollen Schauplatz der ersten systematischen Massentötungen von Menschen mit Behinderung oder einer psychischen Krankheit. Mindestens 10.654 Menschen wurden von Januar bis Dezember 1940 ermordet. Grafeneck wurde zum Vorbild für fünf weitere Anstalten in Deutschland, in denen bis August 1941 um die 100.000 Menschen, sog. „unwertes Leben“, durch Vergasung „ausgemerzt“ wurden. Einige an den Morden beteiligte Ärzte machten später Karriere in den Konzentrationslagern. Nach Protesten, vor allem aus kirchlichen Kreisen, wurden die großen Tötungsanstalten im August 1941 aufgegeben; man mordete aber, weil weniger auffällig, dezentral weiter.

Bürgerschaftlichem Engagement ist es zu danken, dass zwischen dem 13. und dem 16. Oktober, also 70 Jahre nach der Konfiszierung Grafenecks, eine 10 cm breite, violette Farbspur, eine Spur der Erinnerung, vom Tatort Grafeneck zum Planungsort Innenministerium in Stuttgart gelegt wird. Alle an der 80 km langen Strecke gelegenen Gemeinden beteiligen sich beim Malen der Spur, mit Gedenk- und Informationsveranstaltungen, Gottesdiensten, Ausstellungen und künstlerischen Aktivitäten. „Wir zeigen, was der Mensch dem Menschen antut, wenn Medizin, Wissenschaft und ein verbrecherischer Machtapparat zusammenwirken. Die Spur wird aber auch den kritischen Blick auf heute lenken, auf Bioethik, Biotechnik und Genmanipulation. Es gibt kein lebensunwertes Leben!“ (Flyer der Aktion)

 

 
Am 15. Oktober erreicht die Spur der Erinnerung die Häuser der Karl-Schubert-Werkstätten in Aich und Bonlanden.  Die dort Beschäftigten malen die Farbspur auf ihrem Streckenabschnitt auf und tragen mit Musik, Tanz und einer Kunstausstellung zum Rahmenprogramm bei.  Einzelne Vorträge dienen der Information über Grafeneck.

Am 16. Oktober sind die Karl-Schubert-Werkstätten mit einem Stand bei der Abschlußveranstaltung vertreten, die unter dem Motto „Wir leben gerne!“ ab 13 Uhr auf dem Stuttgarter Karlsplatz stattfindet. Mit der schönen Idee des „Kunststück“  tragen sie auch ideell zum Gelingen der Spur der Erinnerung bei. (Informationen über das „Kunststück“ und die Veranstaltungen der Karl-Schubert-Werkstätten findet man in unserem Shop.

Auch an der Karl-Schubert-Schule in Stuttgart führt die Spur vorbei. Zwei Lehrkräfte arbeiten mit im Degerlocher Aktionskreis. Die Schule beteiligt sich am Programm mit einer Ausstellung im Rathaus von Degerloch und gestaltet ein Schaufenster an der Weinsteige.

Der Regionalverband Baden-Württemberg und Bayern hofft, dass viele Menschen an den Begleitveranstaltungen teilnehmen oder am 16. Oktober nach Stuttgart kommen werden, um der in Grafeneck und an anderen Orten auf grausame Weise Ermordeten zu gedenken. (Informationen und Wochenprogramm unter www.spur-der-Erinnerung.de

Martha Eikemeier , Ute Krögler

 
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